Gemeinsam Räume sichern
26.01.2026 · Martina Platzhaltername, Position bei Kulturraum Berlin gGmbH

Impressionen von der Veranstaltung

Teilnehmende des Fachgesprächs (von links nach rechts) Leona Lynen, Janine Wolter, Cerstin Richter-Kotowski und Daniel Jakobson
Am 4. Dezember 2025 versammelten sich 48 Akteur*innen aus Verwaltung, Politik, freier Szene und Zivilgesellschaft im Refugio in Berlin-Neukölln, um die nächste Phase des Berliner Kulturkatasters einzuläuten. Stand die erste Konferenz im Vorjahr noch stark im Zeichen akuter Krisenbewältigung und Haushaltssorgen, richtete sich der Blick in diesem Jahr konsequent nach vorn: Die erste Version des Kulturkatasters befindet sich im laufenden Betrieb und entwickelt sich nun von einem reinen Bestandsverzeichnis zu einem aktiven, datenbasierten Planungs- und Schutzinstrument für die Berliner Kulturlandschaft weiter.
Eckdaten der Veranstaltung
Datum: 4. Dezember 2025, 14:00–18:00 Uhr
Ort: Refugio, Lenaustraße 4, 12047 Berlin
Aus der Konferenz lassen sich folgende zentrale Erkenntnisse für die Weiterentwicklung für das Kulturkataster im Jahr 2026 ableiten:
Zu Beginn gab Leona Lynen (Moderation) einen Überblick über Programm und Logistik und übergab an folgende Vertreter*innen, die jeweils kurz einen Überblick über den Stand der Entwicklungen des Kulturkatasters gaben:
Laura Raber (Kulturraum Berlin gGmbH) betonte in ihrer Eröffnung die wachsende Bedeutung des Kulturkatasters als Basis für eine datenbasierte Kulturpolitik und lobte die ressortübergreifende Vernetzung der Anwesenden. Sie hob hervor, dass das Kulturkataster als partizipatives Instrument von der Mitwirkung der Szene lebe und gerade in Zeiten knapper Haushaltsmittel essenziell sei, um kulturelle Vielfalt zu sichern. Der Fokus der Konferenz liege daher auf der Frage, wie das Werkzeug künftig helfen kann, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und die Akteur*innen im Krisenfall effizient zu vernetzen.
Tobias Schmidt-Pathenheimer (SenKultGZ) hob die produktive Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor und äußerte sich zuversichtlich in Hinblick auf die langfristige Verankerung des Projekts. Er betonte den prozesshaften Charakter des Kulturkatasters: Mit der nun geschaffenen Datengrundlage beginne die eigentliche Phase des gemeinsamen Lernens, um die Nutzungspotenziale für die Stadt bestmöglich zu erschließen.
Sonja Schaudt (Berliner Kulturkonferenz, Landesmusikrat) fasste im Namen der Mitglieder des Steuerungsgremiums die Zusammenarbeit mit dem Projektteam des Kulturkatasters in den vergangenen zwölf Monaten zusammen. Sie beschrieb die konstituierende Sitzung sowie die Themen und Inhalte der beiden weiteren Gremiumssitzungen. Sie bewertete die Einbindung des Gremiums grundlegend positiv, äußerte jedoch Möglichkeiten zur Verbesserung der Vorbereitung und Durchführung zukünftiger Sitzungen, die die Transparenz gegenüber den Gremiumsmitgliedern erhöhen könnten. Diese wurden dem Projektteam in Form eines Wunschzettels überreicht und es wurde angeboten, diese in der nächsten Sitzung noch einmal ausführlicher vorzustellen.
Daniel Jakobson (Projektleitung Kulturkataster) gab einen Überblick über den redaktionellen Stand und das enorme Nutzungspotenzial der Plattform. Er betonte, dass die Entwicklung als lernender Prozess verstanden wird, bei dem kontinuierliches Feedback direkt in die Optimierung einfließt.
Bisher wurden knapp 30 Datenexporte für unterschiedliche Zwecke angefragt, darunter Raumsuche, Kooperationsanfragen und wissenschaftliche Studien. Die Daten dienen als Grundlage für politische Arbeit, Kulturentwicklungsplanung in den Bezirken und die Formulierung des Kulturfördergesetzes. Externe Projekte wie ODIS, Wikidata oder das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung nutzen den Datensatz zur digitalen Anreicherung und für Forschungsprojekte.
Ninett Rosenfeld (Technologiestiftung Berlin) umriss in ihrem Beitrag die technische Architektur des Projekts in der aktuellen Version 1. Das Kataster zeichnet sich durch eine konsequente Open-Source-Strategie, hohe Sicherheit, intuitive Bedienbarkeit und die Einbindung von Fachkarten aus dem Geoportal Berlin aus. Ein Fokus liegt auf der digitalen Barrierefreiheit (BITV 2 / WCAG), die Funktionen wie Leichte Sprache, Gebärdensprachvideos und einen Dunkelmodus umfasst.
Ausblick auf die technische Weiterentwicklung in Version 2:
Prof. Dr. Friederike Landau-Donnelly lieferte einen kurzen Impulsvortrag, der das Projekt wissenschaftlich und stadtsoziologisch einordnete. Ihr zentrales Argument war, dass Daten als Grundlage für eine evidenzbasierte Kulturpolitik unverzichtbar seien. Sie bezeichnete die Strukturierung des Katasters in 16 Kategorien (von Ateliers bis Urban Art) als „konzeptuellen Aktivismus“, da diese Kategorien mitbestimmen, was gesellschaftlich und politisch als relevanter Kulturort wahrgenommen wird.
Empfehlungen für die weitere Entwicklung:

Vortrag von Tobias Schmidt-Pathenheimer
Workshop 1: Das Kulturkataster als Frühwarnsystem - Wie kann das Kataster helfen, Gefährdungen von Kulturorten frühzeitig zu erkennen?
Im Workshop entwickelten die Teilnehmenden gemeinsam potenzielle Indikatoren zur frühzeitigen Erkennung von Gefährdungen von Kulturorten. Anschließend wurden diese Indikatoren in einem Stimmverfahren entlang der Kriterien Wichtigkeit für die Einschätzung von Gefährdungslagen und Messbarkeit bzw. Umsetzbarkeit im Rahmen des Kulturkatasters bewertet. Die nachfolgende Darstellung ist nach den Ergebnissen dieser Priorisierung sortiert und spiegelt die kollektive Einschätzung der Teilnehmenden wider.
Förderung und Nutzungsperspektiven
(Wichtigkeit: 9 Stimmen, Messbarkeit: 14 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Fördermittelsituation von Kulturorten, Neuvergaben von Immobilien durch Bezirk oder Land, Veränderungen der Nutzungsperspektive
→ Wurde als sehr gut messbarer und gleichzeitig hochrelevanter Indikator eingeschätzt, insbesondere durch bestehende Verwaltungs- und Förderdaten.
Mietverträge
(Wichtigkeit: 7 Stimmen, Messbarkeit: 10 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Laufzeiten von Miet- und Pachtverträgen, auslaufende oder kurzfristige Verträge, unsichere oder unübersichtliche Vertragssituationen
→ Einer der zentralen operativen Frühindikatoren, mit hoher Aussagekraft bei guter technischer Umsetzbarkeit, jedoch sensibel hinsichtlich Datenschutzes.
Bebauungs- und Flächennutzungsplanung
(Wichtigkeit: 4 Stimmen, Messbarkeit: 9 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Vorhandensein bzw. Fehlen von B- und F-Plänen, Darstellung von Kulturorten in der formalen Stadtplanung, Einleitung von Planfeststellungsverfahren im Umfeld
→ Sehr gut messbar durch öffentliche Planungsdaten, jedoch eher als struktureller Kontextindikator bewertet, dessen volle Wirksamkeit eine enge Rückkopplung an die Planungsämter erfordert.
Stadtentwicklung
(Wichtigkeit: 9 Stimmen | Messbarkeit: 5 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Vorhandensein langfristiger Großprojekte der Stadtentwicklung (z. B. Infrastrukturprojekte), Abgleich von Flächennutzungsplänen mit tatsächlicher Nutzung, politische und soziale Entwicklungen, Unterschiede im Planungsrecht (z. B. Ost-/West-Kontexte)
→ Als strategisch besonders wichtig eingeschätzt, jedoch nur eingeschränkt standardisierbar im Kataster.
Eigentümer*innenstruktur
(Wichtigkeit: 6 Stimmen, Messbarkeit: 7 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Eigentümerwechsel, Art des Eigentümers (privat, kommunal, institutionell), Veränderungen der Interessen kommunaler Eigentümer, Eigentumsverhältnisse (Miete, Pacht etc.)
→ Wichtiger Kontextindikator mit mittlerer Validierbarkeit und mittlerer Relevanz
Nachbarschaft und Konfliktlagen
(Wichtigkeit: 9 Stimmen, Messbarkeit: 2 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Beschwerden und Nutzungskonflikte, Ankündigungen oder laufende Klagen, Hinweise auf Gentrifizierungsprozesse
→ Sehr relevante Frühwarnsignale, jedoch schwer systematisch erfassbar
Gewerbe und Mieten
(Wichtigkeit: 3 Stimmen, Messbarkeit: 6 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Gewerbemietpreise (z. B. Nettokaltmiete pro m²), Entwicklung von Gewerbemieten, Index- und Staffelmieten, Fehlender rechtlicher Schutz für Gewerbeimmobilien
→ Unterstützender Indikator mit begrenzter Aussagekraft für sich allein
Baulicher Zustand
(Wichtigkeit: 4 Stimmen, Messbarkeit: 1 Stimme)
Dazu zählen die Indikatoren: Gebäudealter und baulicher Zustand, Sanierungsbedarf und Sanierungsstau, Bauliche Auflagen und Genehmigungserfordernisse
→ Geringe Messbarkeit, daher nur eingeschränkt als Frühwarnindikator geeignet.
Zentrale Erkenntnisse aus der Priorisierung
Die Teilnehmenden betonten übereinstimmend, dass Gefährdungslagen erst durch die Kombination mehrerer Indikatoren belastbar eingeschätzt werden können. Besonders relevant wurden folgende Konstellationen bewertet:
Das Kulturkataster wurde dabei klar als dynamisches Monitoring- und Frühwarninstrument verstanden, das sowohl operative als auch strategische Perspektiven zusammenführt.
Workshop 2: Das Kulturkataster als Werkzeugkiste – Akteur*innen vernetzen, Strategien entwickeln
Im Zentrum des zweiten Workshops stand die Entwicklung eines kollaborativen Rettungsprozesses anhand des Szenarios, dass ein alternatives Kulturzentrum eine Kündigung erhält. Die Kernfrage lautete, welche Funktionen das Kulturkataster bereitstellen muss, damit alle Akteur*innen im Ernstfall koordiniert handeln können.
Bedarfe des Kulturortes:
Für den bedrohten Kulturort ist primär eine Alarmfunktion notwendig („Bedrohungsstatus auslösen“), die automatisch relevante Stellen in Verwaltung, Verbänden und Politik informiert. Ergänzend sollte die Möglichkeit bestehen, Pressemeldungen zu hinterlegen oder zu verlinken, sowie auf eine kuratierte Wissensseite zuzugreifen, die Handlungsoptionen, rechtliche Möglichkeiten und Best-Practice-Beispiele bietet.
Spartenverbände und Interessenvertretungen:
Benötigen Zugriff auf zentral aufbereitete Informationen wie Stakeholder- und Rollenübersichten, Kontaktdaten, Zahlen zur Relevanz des Ortes, die Förderhistorie sowie die Einbettung in die Szene. Technisch sind hierfür eine Login-basierte Notiz- und Verlaufsdokumentation zum Fall sowie eine Chatfunktion zur schnellen Abstimmung mit Ort, Bezirk, Senat und Politik gefordert.
Anforderungen der Bezirksverwaltung:
Auf Ebene des Bezirks (Kulturamt sowie Stadtplanung) ist ein bereits kuratiertes Daten- und Dokumentenpaket entscheidend, das Bebauungspläne, Eigentumsstrukturen, Verträge und bisherige Verfahren enthält, um beispielsweise Vorkaufsrechte schnell prüfen zu können. Zudem ist eine Übersicht samt Kontaktdaten erforderlich, die zeigt, wer bereits am Erhalt des Ortes arbeitet.
Senatsverwaltung (Kultur/Stadtentwicklung):
Benötigt verdichtete Informationen zur stadtweiten Bedeutung des Ortes (kulturell, sozial, stadtentwicklungspolitisch) und zur Förderhistorie. Das System muss die Funktion bieten, über das Kataster ein Rettungsgremium oder eine Taskforce einzuberufen und Signale auf der Startseite zu setzen (z. B. „Ort blinkt rot“).
Werkzeuge für die Politik (Ausschüsse, Abgeordnete):
Das Kulturkataster soll direkte Ansprechpartner*innen in der Verwaltung und am Ort sowie Informationen zum aktuellen Verfahrensstand bereitstellen. Es bedarf einer Recherchefunktion für Alternativstandorte sowie Unterstützung beim Aufbau von Argumentationslinien in Bezug auf Baurecht, Förderpolitik und sozialer Infrastruktur. Ziel ist die direkte Nutzung des Katasters für die Ausschussarbeit, etwa als Grundlage für Vorlagen, geteilte Dokumente oder die fraktionsinterne Abstimmung.
Fazit des Workshops:
Das Kulturkataster soll sich vom reinen Informationsportal zu einer „Einsatzplattform“ weiterentwickeln, die Gefährdungen durch eine Alarmfunktion sichtbar macht, Informationen in Dossiers pro Ort bündelt und die Akteur*innen durch Kommunikations- und Arbeitswerkzeuge vernetzt.
Workshop 3: „Map the future – Ideen-Sprint fürs Kulturkataster“
Im einstündigen Workshop „Map the Future – Ideensprint fürs Kulturkataster“ wurden in einem kompakten, an den Design-Thinking-Prozess angelehnten Format Ideen für die Weiterentwicklung des Kulturkatasters erarbeitet – vom Problemraum in den Lösungsraum. Zum Einstieg diente eine Skalenaufstellung dem Kennenlernen: Die Teilnehmenden positionierten sich u. a. dazu, aus welchen Bereichen sie kommen (z. B. Verwaltung oder Kulturort/Initiative), seit wann sie das Kulturkataster kennen und wie sinnvoll sie es langfristig für ihre Arbeit einschätzen. Im Problemraum folgte ein kurzer Frust-Check in drei Gruppen: Diskutiert wurde, was im Umgang mit Kulturdaten und -orten regelmäßig Zeit oder Nerven kostet. Aus den gesammelten Punkten wurden 1–2 Schwerpunkte ausgewählt und als WKW-Fragen („Wie könnten wir …?“) formuliert. Die Ideenphase verlief in drei Schritten: erst Solo-Ideation (vier Ideen auf gefaltetem A4), dann Share & Merge (Lieblingsideen vorstellen, clustern, verdichten) und schließlich ein Mini-Pitch für 1–2 Top-Ideen.
Gruppe „Piano“ (Red Button / Krisenmodus für Kulturorte):
Die Gruppe entwickelte die Idee eines „Red Buttons“ im Kulturkataster, der als eine Art Alarm- und Eskalationsfunktion für Kulturorte dient. Der Button soll immer dann genutzt werden können, wenn ein Ort akut in seiner Existenz bedroht ist – etwa durch Kündigung, bauliche Risiken, Konflikte mit Auflagen oder andere Gefährdungslagen. Mit dem Auslösen des Buttons wird automatisch ein Krisenmodus aktiviert: Eine Videokonferenz mit den relevanten Stakeholdern wird einberufen, z. B. Vertreter*innen aus Verwaltung, Bezirk, Politik, Eigentümerschaft bzw. Trägerstruktur sowie weitere wichtige Akteur*innen rund um den Ort. Ziel ist, dass nicht jede*r einzeln Kontakte suchen und Prozesse anstoßen muss, sondern dass schnell, koordiniert und transparent Unterstützung organisiert werden kann. Das Kulturkataster würde damit nicht nur Daten abbilden, sondern auch als Handlungsinstrument fungieren, das im Ernstfall kurzfristig Zuständigkeiten bündelt, Abstimmungen beschleunigt und konkrete nächste Schritte zur Sicherung des Kulturorts ermöglicht.
Gruppe „Flügel“ (Mehrfachnutzung / MNR):
Die Gruppe „Flügel“ fokussierte Mehrfachnutzung von Räumen als Beitrag zu Nachhaltigkeit und gegen Ressourcenverschwendung. Vorgeschlagen wurde ein Gesetz zur Nutzungsverpflichtung (analog zur Logik eines Kulturfördergesetzes) als Grundlage für das Kulturkataster. Im Kulturkataster soll dafür eine eigene Kategorie „Mehrfachnutzungsräume (MNR)“ entstehen. Ergänzend wünscht sich die Gruppe eine Suchfunktion, in der neben Angeboten auch Bedarfe und „Nice-to-haves“ für Räume angegeben werden können. Flankierend soll ein Fonds für Mehrfachnutzung in Kooperation mit der Senatsverwaltung aufgebaut werden – inklusive Hardware, Personal und einer Stabstelle zur Umsetzung.
Gruppe „Garderobe“ (Matching-App / Redaktion / Scouts / Filter):
Die Gruppe „Garderobe“ entwickelte eine Matching-App nach Tinder-Prinzip, die Räume und Nutzerinnen unkompliziert zusammenbringt. Dafür brauche es im Kulturkataster mehr redaktionelle Kapazität sowie einen Nutzer*innen-Login. Zusätzlich wurden City-Scouts vorgeschlagen, die aktiv Räume und Ateliers in der Stadt identifizieren und ins Kulturkataster einpflegen. Mehr Filter (z. B. Preis oder Passung/Sinn) sollen die Suche präziser und die Matches besser machen.
Zum Abschluss wurden die ausgearbeiteten Mini-Pitches gemeinsam in einer Wirkung–Aufwand-Matrix verortet, um eine erste Priorisierung (Quick Wins vs. längerfristige Vorhaben) zu ermöglichen. Ergänzend wurden weitere Ideen eingereicht, z. B. eine offene „Kreativ“-Kategorie, zusätzliche Karten/Ebenen und Filter (u. a. Umkreis/Erreichbarkeit), bezirkliche Kategorien sowie eine Rubrik Straßenmusik.

Teilnehmende des Workshops 1

Teilnehmende des Workshops 2
Im Anschluss an Workshops und Kaffeepause wurde das Steuerungsgremium des Kulturkatasters für das Jahr 2026 gewählt. An 16 wahlberechtigte Vertreter*innen eingeladener Verbände von Kultursparten, spartenübergreifenden und raumbezogenen Interessenvertretungen sowie Stiftungen, Netzwerken und landeseigenen Kulturbetrieben wurde jeweils ein anonymer Stimmzettel und eine Stimmkarte mit Namen und Institution übergeben. 15 Stimmzettel wurden abgegeben, die alle gültig waren. Als Wahlvorstand wurde einstimmig Julian Kamphausen gewählt, die Schriftführung übernahm Pirkko Husemann, die ebenfalls einstimmig gewählt wurde.
Kandidaturen (schriftlich eingereicht):
Sonja Augart, Julia Brodauf, Daniel Brunet, Florian Falkenhagen, Sonja Schaudt, Benedikt Stoll;
keine weiteren Vorschläge vor Ort.
Gewählte Vertreter*innen:
Die gewählten Personen nahmen die Wahl an; die Nachrückregelung ist dokumentiert.

Wahlprozess für das Steuerungsgremium

Das Steuerungsgremium (von links nach rechts) Sonja Schaudt, Julia Brodauf, Sonja Augart, Daniel Brunet, Florian Falkenhagen, Benedikt Stoll
Im abschließenden Panel diskutierten Staatssekretärin für Kultur, Cerstin Richter-Kotowski, Bezirksstadträtin Janine Wolter und Projektleitung Daniel Jakobson unter der Moderation von Leona Lynen über die Zukunft des Kulturkatasters. Einigkeit bestand darin, dass das Kataster als „Landkarte“ die kulturelle Vielfalt in allen Bezirken – auch jenseits des S-Bahn-Rings – sichtbar machen muss. Diese Sichtbarkeit unterstützt die bereits funktionierende Formen der Zusammenarbeit zwischen Land und Bezirken, wie am Beispiel der bezirklichen Galerie an der Wildenbruchbrücke ausgeführt wurde, und hilft dabei, Unterversorgung in Randgebieten zu identifizieren.
In der praktischen Anwendung etabliert sich das Tool zunehmend als Planungsinstrument für Stadtentwicklungsprozesse, etwa im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) Berliner Mitte oder bei Analysen zur kulturellen Nahversorgung. Um der Raumknappheit zu begegnen, ist zudem ein Modul in Vorbereitung, das Mehrfachnutzungen erleichtert, indem Orte ihre Räume als temporär für spezifische Nutzungen und Zielgruppen verfügbar markieren können.
Besonders positiv wurde die Perspektive eines Frühwarnsystems bewertet: Die Idee eines „roten Buzzers“, der bei drohendem Mietende oder Eigentümerwechsel automatisiert Signale an zuständige Stellen sendet, soll künftig als Ampellogik implementiert werden. Das klare Fazit der Runde: Das Kulturkataster darf keine „tote Datenbank“ sein, sondern muss als lebendiges System einen dauerhaften Mehrwert für Verwaltung und Kulturschaffende bieten.

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit. Aenean commodo ligula eget dolor. Aenean massa. Cum sociis natoque penatibus et magnis dis parturient montes, nascetur ridiculus mus.
Ein guter Nachmittag im Austausch mit Kulturschaffenden

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit. Aenean commodo ligula eget dolor.
Gemeinsam Räume sichern
26.01.2026 · Martina Platzhaltername, Position bei Kulturraum Berlin gGmbH

Impressionen von der Veranstaltung

Teilnehmende des Fachgesprächs (von links nach rechts) Leona Lynen, Janine Wolter, Cerstin Richter-Kotowski und Daniel Jakobson
Am 4. Dezember 2025 versammelten sich 48 Akteur*innen aus Verwaltung, Politik, freier Szene und Zivilgesellschaft im Refugio in Berlin-Neukölln, um die nächste Phase des Berliner Kulturkatasters einzuläuten. Stand die erste Konferenz im Vorjahr noch stark im Zeichen akuter Krisenbewältigung und Haushaltssorgen, richtete sich der Blick in diesem Jahr konsequent nach vorn: Die erste Version des Kulturkatasters befindet sich im laufenden Betrieb und entwickelt sich nun von einem reinen Bestandsverzeichnis zu einem aktiven, datenbasierten Planungs- und Schutzinstrument für die Berliner Kulturlandschaft weiter.
Eckdaten der Veranstaltung
Datum: 4. Dezember 2025, 14:00–18:00 Uhr
Ort: Refugio, Lenaustraße 4, 12047 Berlin
Aus der Konferenz lassen sich folgende zentrale Erkenntnisse für die Weiterentwicklung für das Kulturkataster im Jahr 2026 ableiten:
Zu Beginn gab Leona Lynen (Moderation) einen Überblick über Programm und Logistik und übergab an folgende Vertreter*innen, die jeweils kurz einen Überblick über den Stand der Entwicklungen des Kulturkatasters gaben:
Laura Raber (Kulturraum Berlin gGmbH) betonte in ihrer Eröffnung die wachsende Bedeutung des Kulturkatasters als Basis für eine datenbasierte Kulturpolitik und lobte die ressortübergreifende Vernetzung der Anwesenden. Sie hob hervor, dass das Kulturkataster als partizipatives Instrument von der Mitwirkung der Szene lebe und gerade in Zeiten knapper Haushaltsmittel essenziell sei, um kulturelle Vielfalt zu sichern. Der Fokus der Konferenz liege daher auf der Frage, wie das Werkzeug künftig helfen kann, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und die Akteur*innen im Krisenfall effizient zu vernetzen.
Tobias Schmidt-Pathenheimer (SenKultGZ) hob die produktive Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor und äußerte sich zuversichtlich in Hinblick auf die langfristige Verankerung des Projekts. Er betonte den prozesshaften Charakter des Kulturkatasters: Mit der nun geschaffenen Datengrundlage beginne die eigentliche Phase des gemeinsamen Lernens, um die Nutzungspotenziale für die Stadt bestmöglich zu erschließen.
Sonja Schaudt (Berliner Kulturkonferenz, Landesmusikrat) fasste im Namen der Mitglieder des Steuerungsgremiums die Zusammenarbeit mit dem Projektteam des Kulturkatasters in den vergangenen zwölf Monaten zusammen. Sie beschrieb die konstituierende Sitzung sowie die Themen und Inhalte der beiden weiteren Gremiumssitzungen. Sie bewertete die Einbindung des Gremiums grundlegend positiv, äußerte jedoch Möglichkeiten zur Verbesserung der Vorbereitung und Durchführung zukünftiger Sitzungen, die die Transparenz gegenüber den Gremiumsmitgliedern erhöhen könnten. Diese wurden dem Projektteam in Form eines Wunschzettels überreicht und es wurde angeboten, diese in der nächsten Sitzung noch einmal ausführlicher vorzustellen.
Daniel Jakobson (Projektleitung Kulturkataster) gab einen Überblick über den redaktionellen Stand und das enorme Nutzungspotenzial der Plattform. Er betonte, dass die Entwicklung als lernender Prozess verstanden wird, bei dem kontinuierliches Feedback direkt in die Optimierung einfließt.
Bisher wurden knapp 30 Datenexporte für unterschiedliche Zwecke angefragt, darunter Raumsuche, Kooperationsanfragen und wissenschaftliche Studien. Die Daten dienen als Grundlage für politische Arbeit, Kulturentwicklungsplanung in den Bezirken und die Formulierung des Kulturfördergesetzes. Externe Projekte wie ODIS, Wikidata oder das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung nutzen den Datensatz zur digitalen Anreicherung und für Forschungsprojekte.
Ninett Rosenfeld (Technologiestiftung Berlin) umriss in ihrem Beitrag die technische Architektur des Projekts in der aktuellen Version 1. Das Kataster zeichnet sich durch eine konsequente Open-Source-Strategie, hohe Sicherheit, intuitive Bedienbarkeit und die Einbindung von Fachkarten aus dem Geoportal Berlin aus. Ein Fokus liegt auf der digitalen Barrierefreiheit (BITV 2 / WCAG), die Funktionen wie Leichte Sprache, Gebärdensprachvideos und einen Dunkelmodus umfasst.
Ausblick auf die technische Weiterentwicklung in Version 2:
Prof. Dr. Friederike Landau-Donnelly lieferte einen kurzen Impulsvortrag, der das Projekt wissenschaftlich und stadtsoziologisch einordnete. Ihr zentrales Argument war, dass Daten als Grundlage für eine evidenzbasierte Kulturpolitik unverzichtbar seien. Sie bezeichnete die Strukturierung des Katasters in 16 Kategorien (von Ateliers bis Urban Art) als „konzeptuellen Aktivismus“, da diese Kategorien mitbestimmen, was gesellschaftlich und politisch als relevanter Kulturort wahrgenommen wird.
Empfehlungen für die weitere Entwicklung:

Vortrag von Tobias Schmidt-Pathenheimer
Workshop 1: Das Kulturkataster als Frühwarnsystem - Wie kann das Kataster helfen, Gefährdungen von Kulturorten frühzeitig zu erkennen?
Im Workshop entwickelten die Teilnehmenden gemeinsam potenzielle Indikatoren zur frühzeitigen Erkennung von Gefährdungen von Kulturorten. Anschließend wurden diese Indikatoren in einem Stimmverfahren entlang der Kriterien Wichtigkeit für die Einschätzung von Gefährdungslagen und Messbarkeit bzw. Umsetzbarkeit im Rahmen des Kulturkatasters bewertet. Die nachfolgende Darstellung ist nach den Ergebnissen dieser Priorisierung sortiert und spiegelt die kollektive Einschätzung der Teilnehmenden wider.
Förderung und Nutzungsperspektiven
(Wichtigkeit: 9 Stimmen, Messbarkeit: 14 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Fördermittelsituation von Kulturorten, Neuvergaben von Immobilien durch Bezirk oder Land, Veränderungen der Nutzungsperspektive
→ Wurde als sehr gut messbarer und gleichzeitig hochrelevanter Indikator eingeschätzt, insbesondere durch bestehende Verwaltungs- und Förderdaten.
Mietverträge
(Wichtigkeit: 7 Stimmen, Messbarkeit: 10 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Laufzeiten von Miet- und Pachtverträgen, auslaufende oder kurzfristige Verträge, unsichere oder unübersichtliche Vertragssituationen
→ Einer der zentralen operativen Frühindikatoren, mit hoher Aussagekraft bei guter technischer Umsetzbarkeit, jedoch sensibel hinsichtlich Datenschutzes.
Bebauungs- und Flächennutzungsplanung
(Wichtigkeit: 4 Stimmen, Messbarkeit: 9 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Vorhandensein bzw. Fehlen von B- und F-Plänen, Darstellung von Kulturorten in der formalen Stadtplanung, Einleitung von Planfeststellungsverfahren im Umfeld
→ Sehr gut messbar durch öffentliche Planungsdaten, jedoch eher als struktureller Kontextindikator bewertet, dessen volle Wirksamkeit eine enge Rückkopplung an die Planungsämter erfordert.
Stadtentwicklung
(Wichtigkeit: 9 Stimmen | Messbarkeit: 5 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Vorhandensein langfristiger Großprojekte der Stadtentwicklung (z. B. Infrastrukturprojekte), Abgleich von Flächennutzungsplänen mit tatsächlicher Nutzung, politische und soziale Entwicklungen, Unterschiede im Planungsrecht (z. B. Ost-/West-Kontexte)
→ Als strategisch besonders wichtig eingeschätzt, jedoch nur eingeschränkt standardisierbar im Kataster.
Eigentümer*innenstruktur
(Wichtigkeit: 6 Stimmen, Messbarkeit: 7 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Eigentümerwechsel, Art des Eigentümers (privat, kommunal, institutionell), Veränderungen der Interessen kommunaler Eigentümer, Eigentumsverhältnisse (Miete, Pacht etc.)
→ Wichtiger Kontextindikator mit mittlerer Validierbarkeit und mittlerer Relevanz
Nachbarschaft und Konfliktlagen
(Wichtigkeit: 9 Stimmen, Messbarkeit: 2 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Beschwerden und Nutzungskonflikte, Ankündigungen oder laufende Klagen, Hinweise auf Gentrifizierungsprozesse
→ Sehr relevante Frühwarnsignale, jedoch schwer systematisch erfassbar
Gewerbe und Mieten
(Wichtigkeit: 3 Stimmen, Messbarkeit: 6 Stimmen)
Dazu zählen die Indikatoren: Gewerbemietpreise (z. B. Nettokaltmiete pro m²), Entwicklung von Gewerbemieten, Index- und Staffelmieten, Fehlender rechtlicher Schutz für Gewerbeimmobilien
→ Unterstützender Indikator mit begrenzter Aussagekraft für sich allein
Baulicher Zustand
(Wichtigkeit: 4 Stimmen, Messbarkeit: 1 Stimme)
Dazu zählen die Indikatoren: Gebäudealter und baulicher Zustand, Sanierungsbedarf und Sanierungsstau, Bauliche Auflagen und Genehmigungserfordernisse
→ Geringe Messbarkeit, daher nur eingeschränkt als Frühwarnindikator geeignet.
Zentrale Erkenntnisse aus der Priorisierung
Die Teilnehmenden betonten übereinstimmend, dass Gefährdungslagen erst durch die Kombination mehrerer Indikatoren belastbar eingeschätzt werden können. Besonders relevant wurden folgende Konstellationen bewertet:
Das Kulturkataster wurde dabei klar als dynamisches Monitoring- und Frühwarninstrument verstanden, das sowohl operative als auch strategische Perspektiven zusammenführt.
Workshop 2: Das Kulturkataster als Werkzeugkiste – Akteur*innen vernetzen, Strategien entwickeln
Im Zentrum des zweiten Workshops stand die Entwicklung eines kollaborativen Rettungsprozesses anhand des Szenarios, dass ein alternatives Kulturzentrum eine Kündigung erhält. Die Kernfrage lautete, welche Funktionen das Kulturkataster bereitstellen muss, damit alle Akteur*innen im Ernstfall koordiniert handeln können.
Bedarfe des Kulturortes:
Für den bedrohten Kulturort ist primär eine Alarmfunktion notwendig („Bedrohungsstatus auslösen“), die automatisch relevante Stellen in Verwaltung, Verbänden und Politik informiert. Ergänzend sollte die Möglichkeit bestehen, Pressemeldungen zu hinterlegen oder zu verlinken, sowie auf eine kuratierte Wissensseite zuzugreifen, die Handlungsoptionen, rechtliche Möglichkeiten und Best-Practice-Beispiele bietet.
Spartenverbände und Interessenvertretungen:
Benötigen Zugriff auf zentral aufbereitete Informationen wie Stakeholder- und Rollenübersichten, Kontaktdaten, Zahlen zur Relevanz des Ortes, die Förderhistorie sowie die Einbettung in die Szene. Technisch sind hierfür eine Login-basierte Notiz- und Verlaufsdokumentation zum Fall sowie eine Chatfunktion zur schnellen Abstimmung mit Ort, Bezirk, Senat und Politik gefordert.
Anforderungen der Bezirksverwaltung:
Auf Ebene des Bezirks (Kulturamt sowie Stadtplanung) ist ein bereits kuratiertes Daten- und Dokumentenpaket entscheidend, das Bebauungspläne, Eigentumsstrukturen, Verträge und bisherige Verfahren enthält, um beispielsweise Vorkaufsrechte schnell prüfen zu können. Zudem ist eine Übersicht samt Kontaktdaten erforderlich, die zeigt, wer bereits am Erhalt des Ortes arbeitet.
Senatsverwaltung (Kultur/Stadtentwicklung):
Benötigt verdichtete Informationen zur stadtweiten Bedeutung des Ortes (kulturell, sozial, stadtentwicklungspolitisch) und zur Förderhistorie. Das System muss die Funktion bieten, über das Kataster ein Rettungsgremium oder eine Taskforce einzuberufen und Signale auf der Startseite zu setzen (z. B. „Ort blinkt rot“).
Werkzeuge für die Politik (Ausschüsse, Abgeordnete):
Das Kulturkataster soll direkte Ansprechpartner*innen in der Verwaltung und am Ort sowie Informationen zum aktuellen Verfahrensstand bereitstellen. Es bedarf einer Recherchefunktion für Alternativstandorte sowie Unterstützung beim Aufbau von Argumentationslinien in Bezug auf Baurecht, Förderpolitik und sozialer Infrastruktur. Ziel ist die direkte Nutzung des Katasters für die Ausschussarbeit, etwa als Grundlage für Vorlagen, geteilte Dokumente oder die fraktionsinterne Abstimmung.
Fazit des Workshops:
Das Kulturkataster soll sich vom reinen Informationsportal zu einer „Einsatzplattform“ weiterentwickeln, die Gefährdungen durch eine Alarmfunktion sichtbar macht, Informationen in Dossiers pro Ort bündelt und die Akteur*innen durch Kommunikations- und Arbeitswerkzeuge vernetzt.
Workshop 3: „Map the future – Ideen-Sprint fürs Kulturkataster“
Im einstündigen Workshop „Map the Future – Ideensprint fürs Kulturkataster“ wurden in einem kompakten, an den Design-Thinking-Prozess angelehnten Format Ideen für die Weiterentwicklung des Kulturkatasters erarbeitet – vom Problemraum in den Lösungsraum. Zum Einstieg diente eine Skalenaufstellung dem Kennenlernen: Die Teilnehmenden positionierten sich u. a. dazu, aus welchen Bereichen sie kommen (z. B. Verwaltung oder Kulturort/Initiative), seit wann sie das Kulturkataster kennen und wie sinnvoll sie es langfristig für ihre Arbeit einschätzen. Im Problemraum folgte ein kurzer Frust-Check in drei Gruppen: Diskutiert wurde, was im Umgang mit Kulturdaten und -orten regelmäßig Zeit oder Nerven kostet. Aus den gesammelten Punkten wurden 1–2 Schwerpunkte ausgewählt und als WKW-Fragen („Wie könnten wir …?“) formuliert. Die Ideenphase verlief in drei Schritten: erst Solo-Ideation (vier Ideen auf gefaltetem A4), dann Share & Merge (Lieblingsideen vorstellen, clustern, verdichten) und schließlich ein Mini-Pitch für 1–2 Top-Ideen.
Gruppe „Piano“ (Red Button / Krisenmodus für Kulturorte):
Die Gruppe entwickelte die Idee eines „Red Buttons“ im Kulturkataster, der als eine Art Alarm- und Eskalationsfunktion für Kulturorte dient. Der Button soll immer dann genutzt werden können, wenn ein Ort akut in seiner Existenz bedroht ist – etwa durch Kündigung, bauliche Risiken, Konflikte mit Auflagen oder andere Gefährdungslagen. Mit dem Auslösen des Buttons wird automatisch ein Krisenmodus aktiviert: Eine Videokonferenz mit den relevanten Stakeholdern wird einberufen, z. B. Vertreter*innen aus Verwaltung, Bezirk, Politik, Eigentümerschaft bzw. Trägerstruktur sowie weitere wichtige Akteur*innen rund um den Ort. Ziel ist, dass nicht jede*r einzeln Kontakte suchen und Prozesse anstoßen muss, sondern dass schnell, koordiniert und transparent Unterstützung organisiert werden kann. Das Kulturkataster würde damit nicht nur Daten abbilden, sondern auch als Handlungsinstrument fungieren, das im Ernstfall kurzfristig Zuständigkeiten bündelt, Abstimmungen beschleunigt und konkrete nächste Schritte zur Sicherung des Kulturorts ermöglicht.
Gruppe „Flügel“ (Mehrfachnutzung / MNR):
Die Gruppe „Flügel“ fokussierte Mehrfachnutzung von Räumen als Beitrag zu Nachhaltigkeit und gegen Ressourcenverschwendung. Vorgeschlagen wurde ein Gesetz zur Nutzungsverpflichtung (analog zur Logik eines Kulturfördergesetzes) als Grundlage für das Kulturkataster. Im Kulturkataster soll dafür eine eigene Kategorie „Mehrfachnutzungsräume (MNR)“ entstehen. Ergänzend wünscht sich die Gruppe eine Suchfunktion, in der neben Angeboten auch Bedarfe und „Nice-to-haves“ für Räume angegeben werden können. Flankierend soll ein Fonds für Mehrfachnutzung in Kooperation mit der Senatsverwaltung aufgebaut werden – inklusive Hardware, Personal und einer Stabstelle zur Umsetzung.
Gruppe „Garderobe“ (Matching-App / Redaktion / Scouts / Filter):
Die Gruppe „Garderobe“ entwickelte eine Matching-App nach Tinder-Prinzip, die Räume und Nutzerinnen unkompliziert zusammenbringt. Dafür brauche es im Kulturkataster mehr redaktionelle Kapazität sowie einen Nutzer*innen-Login. Zusätzlich wurden City-Scouts vorgeschlagen, die aktiv Räume und Ateliers in der Stadt identifizieren und ins Kulturkataster einpflegen. Mehr Filter (z. B. Preis oder Passung/Sinn) sollen die Suche präziser und die Matches besser machen.
Zum Abschluss wurden die ausgearbeiteten Mini-Pitches gemeinsam in einer Wirkung–Aufwand-Matrix verortet, um eine erste Priorisierung (Quick Wins vs. längerfristige Vorhaben) zu ermöglichen. Ergänzend wurden weitere Ideen eingereicht, z. B. eine offene „Kreativ“-Kategorie, zusätzliche Karten/Ebenen und Filter (u. a. Umkreis/Erreichbarkeit), bezirkliche Kategorien sowie eine Rubrik Straßenmusik.

Teilnehmende des Workshops 1

Teilnehmende des Workshops 2
Im Anschluss an Workshops und Kaffeepause wurde das Steuerungsgremium des Kulturkatasters für das Jahr 2026 gewählt. An 16 wahlberechtigte Vertreter*innen eingeladener Verbände von Kultursparten, spartenübergreifenden und raumbezogenen Interessenvertretungen sowie Stiftungen, Netzwerken und landeseigenen Kulturbetrieben wurde jeweils ein anonymer Stimmzettel und eine Stimmkarte mit Namen und Institution übergeben. 15 Stimmzettel wurden abgegeben, die alle gültig waren. Als Wahlvorstand wurde einstimmig Julian Kamphausen gewählt, die Schriftführung übernahm Pirkko Husemann, die ebenfalls einstimmig gewählt wurde.
Kandidaturen (schriftlich eingereicht):
Sonja Augart, Julia Brodauf, Daniel Brunet, Florian Falkenhagen, Sonja Schaudt, Benedikt Stoll;
keine weiteren Vorschläge vor Ort.
Gewählte Vertreter*innen:
Die gewählten Personen nahmen die Wahl an; die Nachrückregelung ist dokumentiert.

Wahlprozess für das Steuerungsgremium

Das Steuerungsgremium (von links nach rechts) Sonja Schaudt, Julia Brodauf, Sonja Augart, Daniel Brunet, Florian Falkenhagen, Benedikt Stoll
Im abschließenden Panel diskutierten Staatssekretärin für Kultur, Cerstin Richter-Kotowski, Bezirksstadträtin Janine Wolter und Projektleitung Daniel Jakobson unter der Moderation von Leona Lynen über die Zukunft des Kulturkatasters. Einigkeit bestand darin, dass das Kataster als „Landkarte“ die kulturelle Vielfalt in allen Bezirken – auch jenseits des S-Bahn-Rings – sichtbar machen muss. Diese Sichtbarkeit unterstützt die bereits funktionierende Formen der Zusammenarbeit zwischen Land und Bezirken, wie am Beispiel der bezirklichen Galerie an der Wildenbruchbrücke ausgeführt wurde, und hilft dabei, Unterversorgung in Randgebieten zu identifizieren.
In der praktischen Anwendung etabliert sich das Tool zunehmend als Planungsinstrument für Stadtentwicklungsprozesse, etwa im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) Berliner Mitte oder bei Analysen zur kulturellen Nahversorgung. Um der Raumknappheit zu begegnen, ist zudem ein Modul in Vorbereitung, das Mehrfachnutzungen erleichtert, indem Orte ihre Räume als temporär für spezifische Nutzungen und Zielgruppen verfügbar markieren können.
Besonders positiv wurde die Perspektive eines Frühwarnsystems bewertet: Die Idee eines „roten Buzzers“, der bei drohendem Mietende oder Eigentümerwechsel automatisiert Signale an zuständige Stellen sendet, soll künftig als Ampellogik implementiert werden. Das klare Fazit der Runde: Das Kulturkataster darf keine „tote Datenbank“ sein, sondern muss als lebendiges System einen dauerhaften Mehrwert für Verwaltung und Kulturschaffende bieten.

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit. Aenean commodo ligula eget dolor. Aenean massa. Cum sociis natoque penatibus et magnis dis parturient montes, nascetur ridiculus mus.
Ein guter Nachmittag im Austausch mit Kulturschaffenden

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit. Aenean commodo ligula eget dolor.
Kulturraum Berlin gGmbH
Spandauer Damm 19
14059 Berlin
Telefon: +49 (0) 30 3030 444 60
E-Mail: info@kulturkataster.berlin
Ein Projekt der Kulturraum Berlin gGmbH, gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Kulturraum Berlin gGmbH
Spandauer Damm 19
14059 Berlin
Telefon: +49 (0) 30 3030 444 60
E-Mail: info@kulturkataster.berlin
Ein Projekt der Kulturraum Berlin gGmbH, gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
